Zell – Wachenheim – Monsheim – Pfeddersheim – Worms

Heute habe ich mein bisher bestes Frühstück bekommen: frische Brötchensorten vom Bäcker, selbstgekelterter Traubensaft, verschiedene kleine herzhafte Leckereien, Müsli, Hausmacher Wurst und die Tageszeitung. Jetzt schreibe ich schon wie für Kinder, frei nach Enid Blyton, regelmässig muss man schreiben, das es etwas Leckeres zu essen gibt. Verzeiht, ich werde mich mit Essensbeschreibungen ab sofort zurückhalten.

Dann geht es auch schon wieder los. Ich nehme die ein bisschen höhergelegene Straße nach Wachenheim. Die Sonne scheint und die Luft ist klar. Von der Straße habe ich einen besseren Blick in die Weinberge und das Tal der Pfrimm. Nach einem kleinen Friedhof, nehme ich nach rechts den Weg durch die Weinberge runter nach Wachenheim. Dabei schrecke ich einen Fasan auf. Schon toll, wieviele Tierarten ich auf dem Weg inzwischen erleben durfte.

In Wachenheim geht es an dem Bach Pfrimm abwärts. Bäume geben Schatten und ich komme gut voran. Vor Monsheim beginnt ein naturkundlicher Pfad, der immer wieder Schaubilder über Vögel zeigt. Der Wald ist hier dicht und naturbelassen. Der Weg ist schmaler geworden. Die Urwaldähnliche Atmosphäre gefällt mir.

Durch Monsheim geht es durch und danach wieder an der Pfrimm entlang bis nach Pfeddersheim. Kurz bevor die Wohnhäuser anfangen sind Plätze für die Pfeddersheimer eingerichtet worden, an denen sie grillen können. Kurz darauf wundere ich mich über den Lärm den grüngelbe Vögel in den Bäumen machen. Vögellärm der mir fremdartig und exotisch vorkommt. Ich treffe auf einen älteren Mann mit einer Kamera und einem Riesenobjektiv, der aufmerksam die Baumkronen beobachtet. Er erklärt mir dann, dass es sich bei den Vögeln um Halsbandsittiche handelt. Diese Vögel sind irgendwann aus ihrer Gefangenschaft ausgebrochen und haben inzwischen erfolgreich eine Kolonie hier in Pfeddersheim gegründet.

Es geht weiter nach Pfeddersheim hinein durch ein Wohngebiet. Mein Vater war vor circa 40 Jahren in Pfeddersheim ein paar Jahre stationiert gewesen. Wir haben ihn damals dort besucht und in dieser Zeit hat er seine Vorliebe für Wein entwickelt. Ich habe Pfeddersheim als langweiligen Ort in Erinnerung und daran hat sich anscheinend nichts geändert. Die Bundeswehr hat in der Zwischenzeit diesen Standort aufgegeben.

Am Bahnhof wartet ein ehemaliger Kollege auf mich. Ich freue mich ihn zu sehen und wir packen meinen Rucksack in sein Auto. Er fährt uns nach Worms und wir verbringen ein paar Stunden am Rhein in einer der beliebten Strandbars. Dabei trinken wir gemeinsam etwas und tauschen uns darüber aus, wie es uns in den letzten Monaten ergangen ist. Er gibt mir noch ein paar gute Tips, was ich mir morgen mit meinem Sohn in Worms angucken kann. Dann ist es auch schon Zeit, Abschied zu nehmen und meinen jüngsten Sohn vom Bahnhof abzuholen. Ich freue mich ihn in die Arme zu nehmen und bring ihn zu dem Hotel, wo wir die Nacht verbringen. Morgen werden wir gemeinsam Worms angucken und dabei darauf achten, dass ich auch einen Erholungstag vom Wandern habe.

Dannenfels – Bolanden – Albisheim – Zellertal – Zell

Nach einem sehr guten Frühstück, zu dem viel nachgeschenkt wurde, breche ich von Dannenfels aus. Der ganze Ort Dannenfels liegt quasi in Hanglange. Wer von der Unterstraße zur Oberstraße geht, macht richtig viele Höhenmeter. Jeder Bürger, der dir wohlgesonnen ist, rät deshalb die höhere Straße nur dann zu verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist. In dem Ort gibt es richtige schöne Esskastanien in unterschiedlichen Altersstufen. Richtig alte Bäume mit mächtigen Stämmen und dann auch noch echte Jungbäume. Alle blühen sie.

Ab Dannenfels geht es mit 2 Unterbrechungen immer leicht bergab. Man kommt zuerst durch Felder. Hier sehe ich zum ersten Mal fliegende Heuschrecken, immerhin 6 Exemplare. Ob es schon immer fliegende Heuschrecken in Deutschland gegeben hat oder ob diese Art wegen der Klimaerwärmung jetzt in die Pfalz eingewandert ist, weiß ich nicht.

Nach den Feldern geht es wieder links in den Wald. Alles ist schön grün. Man kommt durch den Ort Bolanden. Am Anfang sieht man einen Sportplatz, dann kommen die Neubausiedlungen mit vielen großen Häusern. Je näher ich dem alten Ortskern komme, desto älter und kleiner werden die Häuser. Ich sehe kaum Menschen auf der Straße, alle Geschäfte haben zu.

Danach geht es in Richtung Bolanderhof. Nach dem Hof muss man aufpassen, da die Karte kurz wieder die falsche Richtung anzeigt. Anstelle von links muss man rechts gehen und kommt dann zu einer Unterführung der Autobahn A63. Nach der A63 Unterführung geht es auf einen flachen Berg den Galgengewanne, der später in den Wartberg übergeht. Der Berg ist ein kleines Hochplateau, auf dem zahlreiche Windräder und viele Felder stehen. Der Aufstieg lohnt sich, es gibt einen fantastischen Rundblick, der einen auf den nächsten Kilometern begleitet.

Am Ende des Wartberges geht es rechts nach Albisheim. In dem Ort gibt es leider keine Gasthäuser mehr, dafür aber ein Edeka Markt, einen fantastischen Kinderspielplatz und ein tolles Biotop um einen Weiher herum. Warum mir der Kinderspielplatz gefällt? Es gibt tolle fast schon natürliche Spielgeräte, wie eine Hangrutsche, ein Atrium im Hang und eine Reihe von Baumstämme (siehe Beitragsbild), die übereinander liegend eine herrliche Herausforderung für Kinder sind. Dementsprechend gut ist der Spielplatz gut besucht. Das Feuchtbiotop ist durch einen Elektrozaun geschützt. Mit meinem Fernglas kann ich trotzdem einige Tiere gut beobachten. Gut, die Frösche hört man auch so sehr deutlich, aber ich sehe 5 Reiher, 4 Nilgänse, 3 Blesshühner, 5 Stockenten und ich möchte nicht wissen, was mir alles entgangen ist. Eine Brücke zum Beobachten hat der Nabu aufgestellt und dabei auch eine Liste einer Biologin aufgehängt. Diese Liste zeigt über 76 verschiedene Vogelarten auf, die von ihr beobachtet wurden. Aktuell war die Liste auch: Juni 2020.

Es ist schwülwarm und ich beschließe im nächsten Ort Zellertal nach einer Unterkunft zu suchen. Meine Beine werden müde und ich gehe bewusst ein bisschen langsamer. In Zellertal sind aber leider alle Gasthäuser zu oder wegen Corona geschlossen. Ich fange schon an, Autofahrer anzusprechen, ob sie in den nächstgelegenen Ort Wachenheim fahren und mich mitnehmen können. Aber keiner oder keine will nach Wachenheim. Am Ortsausgang fällt mir ein Schild auf: Hotel Kollektur in Zell. Ganz in der Nähe. Ich rufe an und kriege tatsächlich die freundliche Auskunft, das ein Bett frei ist, der Restaurantbetrieb leider geschlossen hat. Es wird sogar noch besser, Zell liegt auf dem Berg und ich stehe im Tal. Aber ich muss nicht abgekämpft die Steigung hochlaufen, sondern werden mit dem Auto abgeholt. Das Hotel ist in einem schön renovierten historischem Kollekturhaus aus dem 18. Jahrhundert. Die Aussicht von der Dachterrasse ist abwechslungsreich und ich kann mit viel Muße dort sitzen und mich einfach freuen, angekommen zu sein. Es gibt sogar – trotz geschlossenem Restaurant – einen Flammkuchen und ein belegtes Brot für mich zu essen. Der Gastgeberin sei Dank! Mit mir sind noch 6! weitere Gäste da: ein Ehepaar aus Niedersachsen und 4 Freundinnen, die ihre Freundschaft mit Sekt feiern. Mit dem Ehepaar komme ich in ein gutes Gespräch, da sie auch wanderbegeistert sind. Nach einem Tag alleine auf dem Weg ist das jetzt genau das richtige für mich.

Morgen plane ich nach Worms zu wandern. Ich möchte dann einen Tag Pause einlegen, mich mit einem ehemaligen Mitarbeiter treffen, der in Worms lebt. Am Abend kommt mein jüngster Sohn aus Frankfurt. Wir werden dann am Montag gemeinsam Worms erobern. Ich freue mich schon auf die Sohn-Vater-Zeit.

Rockenhausen – Marienthal – Bastenhaus – Donnersberg – Dannenfels

Mit einem reichhaltigen Frühstück im Bauch verlasse ich Rockenhausen im Norden, um wieder auf den E8 in östlicher Richtung zu kommen. Ich habe Glück gleich am Anfang kommt ein Naturwaldreservat. Ein gemischter Eichen- und Buchenwald, der sich selbst überlassen wurde und sich jetzt wieder Richtung „Urwald“ entwickeln soll. Das wird meiner Meinung nach noch ein paar Jahrhunderte dauern, aber ein Anfang ist ja gemacht, wie schön. Und schon habe ich meine erste tierische Begegnung des Tages. Mitten auf dem Weg kommt mir ein Marder entgegen! Erst bei einer Entfernung von 15 Metern bleibt er stehen, schaut mich an und kehrt um und trollt sich. Ich hatte Marder immer für nachtaktiv gehalten und hatte noch nie einen in freier Wildbahn gesehen. Ich bin entzückt und dann noch tagsüber. Aber zu dieser Jahreszeit anscheinend keine Seltenheit, da die Marder auf Partnersuche sind und tagsüber ihr Revier markieren um zu zeigen, was für tolle Typen sie sind.

Immer wieder sind Naturwaldreservatschilder aufgestellt (siehe Beitragsbild). Es ist ein Hirschkäfer darauf abgebildet. Der Hirschkäfer ist eines meiner zwei Krafttiere. Wer selber daran interessiert ist, seine Krafttiere zu finden, kann sich gerne an Helga and Manfred Weule wenden, die mir dabei geholfen haben. http://i-cons.info/was_tut_sich.htm

Ich freue mich jedenfalls die Schilder mit meinem Krafttier zu sehen. Noch schöner wäre es natürlich, den Hirschkäfer in der Natur zu sehen. Die Chancen sind aktuell gar nicht schlecht, da Hirschkäfer in alten Eichenbeständen vorkommen und Juni und Juli die Monaten sind, in denen sie in ihrer Käferform auftreten. Hirschkäfer gehören übrigens zur Gattung der Waldkäfer, die man auch „Schröter“ nennt.

Nach dem Wald geht es links auf eine Landstraße, die kurz danach in einer anderen Landstraße mündet. Es geht geradeaus weiter am Waldrand entlang. Später geht es dann links wieder in den Wald und auf den Wolfkopf (420 meter ü. N.N.). Leider ist es auf dem Gipfel bewaldet und man hat keine Aussicht.

Weiter geht es dann durch Getreidefelder Richtung Marienthal. Achtung an der Landstraße gibt es keine Wegmarkierung und auch meine Kompasswander Anwendung zeigt den falschen Weg. An der Straße müsst ihr rechts gehen und nicht links! Nach ca. 200 Meter kommt dann auf der linken Straßenseite wieder der Wanderweg, der mit einer Holzbrücke über den Bach nach Marienthal führt. Marienthal ist ein sehr gepflegter kleiner Ort, hat aber leider keine Netzverbindung. Die einzige Kneipe hat nur Mittwochs, Donnerstags und Samstags offen. Heute leider nicht. Ich setze mich trotzdem in den Garten und esse meine Brotzeit und mache eine kleine Pause.

Dann geht es weiter durch den Wald nach Bastenhaus. Inzwischen hat es das Regnen angefangen. Ich bin froh als ich Bastenhaus erreiche, da es dort ein Wellnesshotel gibt, dass offen hat. Ich bekomme dort Kaffee und Kuchen. Als es zu regnen aufhört, wandere ich weiter. Der Donnersberg wartet auf mich. Der Donnersberg ist der höchste Berg der Pfalz. Richtig geht es dann auch einen schmalen und steilen Pfad durch einen Buchenwald hoch. Eine Steigung, wie ich sie durchaus auch schon in den Alpen erlebt habe. Ich gehe ruhig und langsam um nicht außer Atem zu kommen. Auf einmal höre ich vor mir ein Geräusch. Ein Mountainbiker kommt mir auf seinem Rad entgegen. In 10 Meter Entfernung bleibt er vor mir stehen. Helm, schwarzes Dress, dazu ein passendes stylisches Mountain Bike, Schutzbrille, ich kann einen weißen Bart erkennen. Er wartet bis ich an ihm vorbeikommen, dann grüßt er mich respektvoll und bedankt sich. Ich bin überrascht und frage ihn: „Warum?“ Er antwortet, dass er durch mich gezwungen war, innezuhalten und langsamer zu fahren und dass sei gut für ihn. Spontan ergänze ich: „Und gesünder“. Er lacht und sagt mir, dass ich damit recht hätte. Endlich mal ein Mensch-Maschine-Wesen, das nicht durch den Wald ohne Rücksicht und Achtsamkeit geschwindigkeitsoptimiert rast, sondern meine pure Gegenwart als Symbol für Entschleunigung und damit für sich als lebensrettend wahrnimmt. Ich bin erfreut.

Am Abend komme ich müde in Dannenfels an. Die letzte Stunde hatte es geregnet. Glücklicherweise wanderte ich durch einen erwachsenen Buchenwald. Die Buchen sind clever und fangen den Regen mit den Blättern ein, leiten das Wasser am Stamm entlang zu ihren Wurzeln am Boden. Ich selber bleibe trocken.

Obermoschel – Stahlberg – Rockenhausen

Gestern habe ich einen Rückfall bekommen. Es ist aber nicht so schlimm wie nach Christi Himmelfahrt. Nach kurzem Zögern setze ich meine Wanderung fort.

Ich beginne an der Burgruine von Obermoschel. In der Nacht gab es Gewitter und Regen. Die Luft ist herrlich, klar und frisch. Die Burgruine erinnert mich an einen griechischen Torso. Zwischen den Gebäuderesten stehen Bäume und gepflegtes Grün. Von der Ruine aus ziehe ich gen Osten.

Wieder ist der E8 nicht ausgeschildert. Ich orientiere mich an dem pfälzischen Höhenweg, der sehr gut markiert ist. So geht es von Hügelkamm über kleine Täler zum nächsten Hügelkamm. Es geht durch Eichen- und Buchenwälder und über Getreidefelder, die zum Teil schon hüfthoch gewachsen sind.

An den Feldern fällt mir eine bestimmte Vogelart auf. Ein kleiner Vogel, der immer wieder auffliegt und sich wild flatternd in den Wind stellt, so dass er fast in der Luft steht. Dabei zwitschert und singt er wie verrückt. Feldlerchen im Singflug, die so ihr Revier markieren und gegen mich verteidigen. Da der Wind heute frisch und kräftig bläst, haben Sie Mühe die Position zu halten. Aber gesungen wird bis zum Schluß. Eindeutig für mich mein Tier des Tages.

Heute ist mein erster mückenfreier Tag. Ich bin mir nicht sicher, ob es am kräftigen Wind liegt oder an dem Autan, das ich heute morgen aufgelegt habe, oder vielleicht doch an den nächtlichen Gewittern. Ich weiß es nicht, aber ich genieße das ungestörte Wandern.

In dem kleinen Ort Stahlberg hat leider die Gastwirtschaft noch nicht offen. Ich lege mich auf einer Bank unter einer Eiche in den Schatten und schlafe ein bisschen.

Eine andere Premiere erlebe ich heute auch: ich begegne den ersten drei wandernden Menschen. Ich bin also doch nicht ganz allein unterwegs. Ansonsten kann ich jedem empfehlen, der mal alleine sein will, gehe an einem Wochentag auf einen längeren Wanderweg in der Nordpfalz.

Gegen Abend erreiche ich hungrig und müde Rockenhausen. Zuerst suche ich nach einer Unterkunft via booking.com. Aber alles, was ich angezeigt bekomme ist mehr als 8 Kilometer entfernt. Dazu habe ich heute keine Lust mehr. Den ersten Passanten, den ich fragen kann, sagt mir das alle Hotels in Rockenhausen insolvent sind und er auch leider keines weiß.

Schon komisch, weil klein ist Rockenhausen nicht. Doch in den lokalen Weiten des Internets finde ich eine Unterkunft in Rockenhausen. Und ein kleines Wunder geschieht, es ist eins der insolventen Hotels, das offen hat und wo ich sogar etwas gutes zu essen bekomme.

Ruine Montfort – Obermoschel

Eigentlich hatte ich heute morgen schwere Regenfälle erwartet, wie vom Wetterbericht angekündigt. Es war zwar bewölkt, aber kein Regen. Also ging es dann doch am Vormittag vom Montforthof aus los. Schnell merke ich, dass heute meine Beine schwer und müde sind von gestern. Dann passe ich immer auf, dass ich nicht zu schnell gehe. Lieber etwas langsamer.

Auch am Montforthof sind die Wegmarkierungen für den E8 nicht eindeutig bzw. fehlen ganz. Es scheint auch außer mir niemand den Fernwanderweg zu laufen. Schon merkwürdig. Auf dem E5 vom Oberstdorf nach Meran über die Alpen war das ganz anders. Ständig ist man jemandem begegnet und mit einigen hatten wir uns am Ende der Tour auch angefreundet und gemeinsam die Hüttenzimmer geteilt. Doch auf dem E8 bin ich alleine.

Vom Montforthof aus geht es durch den Wald. Ich schaue mir dabei auch die Ruine der Burg Montfort an, die auf dem Gipfel liegt. Die Burg liegt einsam im Wald. Der Bergfried ist restauriert und mit einer modernen Wendeltreppe ausgestattet. Oben angelangt habe ich einen schönen Blick über die Burg und den umliegenden Wald. Die Burg ist nicht vollständig wiederhergestellt, aber man kann den Grundriss und einige Gebäude und Mauern gut erkennen. Der Rasen ist gemäht und ein toller Platz für ein Waldpicknick mit Kindern oder der Liebsten. Auf dem Weg finde ich einen toten Siebenschläfer. Im Wald hört man immer wieder einen Kuckuck rufen.

Von der Ruine aus geht es Richtung Süden durch den Wald nach Obermoschel. Auch hier muss ich aufpassen, dass ich den richtigen Weg finde. Doch diesmal habe ich immer wieder Netzempfang und kann dank der Kompass Pro Anwendung feststellen, wenn ich doch den falschen Abzweig genommen habe.

Es geht durch einen lichten niedrigstämmigen Eichenwald. Ich werde wieder von Mückenschwärmen gejagt, diesmal gesellen sich sogar Pferdebremsen dazu. Ich fange an die Mücken zu verabscheuen. Der Weg ist mit kniehohen Gras bewachsen. Hier ist schon lange keiner mehr langgelaufen. Die Mücken freuen sich über mich, endlich eine Gelegenheit ihre zukünftige Brut gut zu versorgen. Ich fange an, mich trotz müder Beine zu beeilen. Ich möchte nicht für zu viele neue Mückengenerationen der Nährboden sein.

Dabei komme ich an einem großen hüfthohen und sehr emsigen Ameisenhaufen vorbei. Ein echtes Naturdenkmal!

Ich bin froh als ich aus dem Eichenwald rauskomme. Über Felder geht es abwärts in ein Tal, das nach Obermoschel führt. Obermoschel ist ein über 600 Jahre altes Städtchen mit einer funktionierenden Infrastruktur. Es gibt sogar ein großes Bekleidungshaus. Ich hole mir einen Döner und komme dabei mit einem Einheimischen ins Gespräch. Er ist in Obermoschel geboren und Anfang 40 Jahre alt. Als ich ihm vom Fernwanderweg E8 erzähle, ist er sehr erstaunt. Ich sei der erste, der über diesen Weg läuft und für ihn ist es eine Neuigkeit, dass der Fernwanderweg durch Obermoschel führt. Das glaube ich inzwischen auch, der europäische Fernwanderweg wird hier nicht benutzt und ist bei den Einheimischen nicht bekannt. Ich stelle mich auf eine einsame und ruhige Wanderung in der näheren Zukunft ein. Eine Wanderung für „Pfadfinder“. Am späten Nachmittag kommen dann die angekündigten Gewitter. Ich beschließe am nächsten Tag nach den Regenfällen weiterzuwandern.

Niederhausen – Schmittenstollen – Lemberg –

Heute hat meine Tochter Geburtstag und ich starte meine Wanderung auf dem europäischen Fernwanderweg E 8 von Niederhausen aus.

An der Brücke bei der Nahe-Staustufe sehe ich zum ersten und letzten Mal an diesem Tag die Wegmarkierung für den E8. Es bewahrheitet sich leider, dass eine überregionale Wegmarkierung hier nicht existiert. Für mich als Neuling auf dem E8 heißt dass, aufpassen und immer wieder kontrollieren, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Leider gelingt mir das heute nicht sehr oft und am Ende des Tages bin ich im Ort Oberhausen angekommen, obwohl ich eigentlich nach Obermoschel wollte.

Aber eins nach dem anderen. Startpunkt war ja die Brücke und da war noch alles im Plan.

Ich laufe über die Brücke und dann folge ich rechts der Staustufe bis ich zu einem linken Abzweig komme.

Das lokale Wegenetz ist hervorragend ausgeschildert und so klassifiziert, dass Wanderer schöne Rundwege rund um Bad Kreuznach laufen können. Schon am Namen kann man die Dauer bzw. Schwierigkeit erkennen. So geht beispielsweise eine „Introtour“ meistens über drei bis vier Kilometer und dauert 1-2 Stunden bestens geeignet für den Einsteiger. Also orientiere ich mich am lokalen Wegenetz und wandere Richtung Bergwerk/Schmittenstollen. Es geht bergauf und nach 1 Stunde bin ich am Bergwerk. Heute ist am Bergwerk und der dazugehörigen Gastwirtschaft nichts los und alles ist geschlossen. Überhaupt bin ich heute alleine unterwegs. Es regnet leicht, aber nicht zu stark. Ich fühle mich seit langem wieder gut und fit.

Nur die immer wieder auftretenden Mückenschwärme sind lästig. Nach dem Schmittenstollen geht es stramm bergauf und nach ca. 100 Metern folge ich einem rechten Abzweig, der laut Karte einen schönen Panoramablick über das Nahetal verspricht.

Die Orientierung wird größtenteils dadurch erschwert, dass keine Verbindung mit dem Handy möglich ist. Meine tollen Karten-Apps sind leider nutzlos. Kaum bin ich auf dem Höhenweg mit Panoramablick auf das Nahetal habe ich wieder Netz und werde prompt auch angerufen.

Eine ehemalige Kollegin ruft mich an. Wie schön! Sie freut sich darüber, dass ich endlich gestartet bin, da ich eigentlich schon kurz nach Pfingsten loslaufen wollte, aber von einer rätselhaften Krankheit aufgehalten wurde. Bis jetzt konnte mir kein Arzt sagen, was ich habe, man konnte mir aber immerhin sagen, was es nicht war. Meine Kollegin hatte eine neue Idee: die Kriebelmücke! Ich habe mich heute Nacht hingesetzt und recherchiert. Es könnte wirklich was daran sein und ich hätte auf die Bisse dieser unangenehmen Mücken zusätzlich mit einer allergischen Reaktion und einer Virusinfektion reagiert, die mich immer noch beschäftigen. Tatsächlich sind diese Insekten inzwischen in der Rheinland-Pfalz immer mehr bekannt dafür, auch auf Menschen loszugehen, da ihre eigentlich bevorzugten Wirtstiere – wie Pferde – immer seltener werden. Also Achtung! Auch heute haben mich immer wieder Mückenschwärme im Wald verfolgt.

Meine Kollegin fragte mich, an was ich alles denken würde und ob ich jetzt glücklich sei. Ich musste an vieles denken und glücklich war ich heute nicht. Aber am Anfang einer Wanderung überrascht mich das nicht, es dauert immer ein paar Tage bis ich im Flow bin und eine Art meditativen Zustand erreicht habe. Vorausgesetzt ich muss nicht ständig aufpassen, dass ich den richtigen Weg verpasse …

Nach dem Panoramaweg nehme ich den direkten Weg zur Lemberg Hütte hoch. Dort mache ich dann Rast. Auch diese Hütte ist heute geschlossen.

Von der Lemberghütte aus wandere ich in Richtung Silbersee und dann …. Ja und dann habe ich den E8 verloren. Immer wieder bin ich umgekehrt, aber letztendlich habe ich mich verlaufen und nach Stunden bin ich dann in Oberhausen gelandet. Dort hat mich dann meine Tante mit dem Auto abgeholt. Es gibt zwar auch dort kein Netz, aber am Dorfbrunnen hat eine gute Seele sein WiFi nicht gesichert und ich konnte meiner Tante eine WhatsApp Nachricht mit Ortsangabe senden. Vielen Dank an den unbekannten Wohltäter und meine Tante!

Der heutige Tag war gut zum Einlaufen. Morgen werde ich versuchen, den E8 an der Stelle zu finden, wo ich verloren gegangen bin und von dort aus weiterlaufen.