Im Bayrischen Wald: Zenting – Hundsruck

Im Bayrischen Wald: Zenting – Hundsruck

Der Gasthof ist voll. Beim Frühstück sind alle Tische besetzt. Im Haus sind neben vielen Paaren, eine Seminargruppe und eine Gruppe von Wanderern. Das Frühstücksbüffet ist gut sortiert, viele frische Sachen. Es ist hektisch. Die Hygieneregeln machen den Ablauf für das Personal umständlich und sie sind alle im Laufschritt unterwegs. Ich sitze als einziger alleine an einem Tisch. Am Nachbartisch sitzt ein chinesisches Pärchen. Das Gesicht der Frau kommt mir bekannt vor. Ich spreche sie darauf an. Es stellt sich heraus, dass ich sie vor wahrscheinlich acht Jahren im Interview hatte. Sie kann sich an mein Gesicht nicht mehr erinnern. Kein Wunder, bei dem Weihnachtsmannbart, den ich aktuell trage! Jetzt ist sie frisch verheiratet und verbringt ein „Testwochenende“ im Bayrischen Wald, um auszuprobieren, ob sie hier ihre Flitterwochen verbringen wollen. Schon seltsam, man scheint sich wirklich immer zweimal im Leben zu begegnen.

Ich verlasse Zenting. Der Goldsteig war bisher immer sehr gut beschildert. Der E8 ist es seit Tagen nicht mehr. In Zenting läuft der E8 getrennt vom Goldsteig bis Saldenburg. Und schon sind die Wegmarken wieder sehr spärlich. Ich muss genau aufpassen. Es geht durch den Wald, dann überquere ich den Zentinger Bach. Nach einer Weile stosse ich in einem Dorf wieder auf den Goldsteig. Ich beschließe auf den Goldsteig zu wechseln. Leider zuerst in die falsche Richtung. Nach einem Kilometer merke ich es. Frustriert kehre ich wieder um zu dem Punkt, wo ich in die Irre gelaufen bin. Das einzig gute an dem Umweg ist, dass ich ein grünes Heupferd sehe. Es lässt mich ganz nah rankommen, so dass ich es fotografieren kann. Das Insekt ist sehr groß und kann sogar fliegen und doch ist es sehr gut getarnt.

Grünes Heupferd

Ich komme durch ein kleines Dorf. Dort sehe ich schwarze Minirinder. Sie sehen richtig kuschelig aus. Nach einer kleinen Rast geht es wieder durch den Wald. Ich folge einem Bach. Hier wächst sehr viel indisches Springkraut, das teilweise mehr als mannshoch gewachsen ist. Das Springkraut ist mir immer wieder auf meiner Wanderung begegnet. Zuerst noch klein und im Laufe des Sommers immer höher gewachsen.

Ich erreiche mein Tagesziel. Der Gasthof hat leider heute geschlossen. Die Wirtin ist aber nett und bereitet mir etwas kleines Warmes zu essen. Sie erzählt mir, dass schon seit Jahren kein E8 Wanderer bei ihr vorbeigekommen ist. Die Wanderer, die bei ihr zu Gast sind, laufen den Goldsteig entlang. Das bestätigt meine Beobachtungen der letzten Wochen. Ich komme mir wie ein Relikt aus alten Zeiten vor. Der letzte Mohikaner auf dem E8. Kein Wunder, dass die Wegmarkierungen für diesen Weg so oft stiefmütterlich behandelt werden. Die Wegepfleger investieren ihre Zeit und Energie eher auf die – auch von der EU – gesponserten Premiumwanderwege. Die snd wirklich top markiert.

Die Wirtsleute sind sehr nett und helfen mir, die Route für die nächsten Tage bis Passau festzulegen. Die Wirtin will sogar morgen bei einem ihr bekannten Gasthof anrufen, um zu checken, ob ich dort morgen übernachten kann.

Ich fühle mich gut und entspannt.

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