In der Hohenlohe: Großenhub – Wildenstein – Lautenbach – Dinkelsbühl

In der Hohenlohe: Großenhub – Wildenstein – Lautenbach – Dinkelsbühl

Meine Wirtin erzählt mir heute morgen, dass der Schwäbische Albverein vor ein, zwei Jahren die Wegmarkierungen erneuert hat. Offensichtlich haben sie dabei die Wegführung des E8 an den Jagststeig angepasst. Meine digitale Karten von dem Kompassverlag zeigt immer wieder einen ganz anderen Weg an. Ich orientiere mich nur noch an den Wegmarkierungen des Albvereins und checke nur noch manchmal mit der App, wo ich bin. Das klappt ganz gut.

Von Großenhub geht es direkt über die Felder. Heute morgen scheint die Sonne und es ist kein Wölkchen am Himmel. Es geht durch ein Dorf hinauf in den Wald. Am Morgen finde ich den Wald immer am besten. Es ist kühl, alles riecht frisch und es sind noch keine Mücken unterwegs.

Das nächste große Hindernis ist die Autobahn A7, die ich auf einer Brücke überquere. Ich bin schon oft die A7 hier entlang gefahren auf dem Weg ins Oberallgäu. Heute ist der Verkehr dicht. Es ist Ferienzeit. Von der Brücke geht es aufwärts nach Wildenstein. Als ich das Zentrum der Gemeinde erreiche, fangen die Glocken an lang zu läuten. Heute wird in Wildenstein Konfirmation gefeiert. Später im Jahr als üblich und im Freien. Ich verfolge für 10 Minuten den Beginn des Gottesdienstes. Immerhin sechs Konfirmanden in dem kleinen Ort und alle festlich angezogen. Ich muss an meinen Jüngsten denken, dessen Konfirmation bisher auf unbestimmt verschoben wurde.

Nach Wildenstein geht es wieder in den Wald. Hier soll es laut einem Schild einen Zauberwald geben. Im Wald sind verschiedene Holzfiguren in der Form von Zwergen und Elfen aufgestellt. Der Zauber im Wald ist für mich etwas anderes.

In Lautenbach gibt es einen kleinen See. Die Kellnerin im Restaurant erzählt, dass man auch darin baden kann, danach müsste man sich aber duschen, so schlammig ist das Gewässer. Daraufhin kann ich mir verkneifen, mich sofort in das Wasser zu stürzen. Das Restaurant bietet nicht nur eine überschaubare Speisekarte an, sondern eine mindestens genauso lange Cocktailkarte. Und das bereits zur Mittagszeit. Die anderen Gäste sind alle von auswärts aus den verschiedensten Teilen Deutschlands und mit den Autos angereist.

Ich wandere weiter. Inzwischen ist es warm geworden und ich muss relativ häufig über Asphalt und Teer laufen. Der Belag ist inzwischen richtig warm geworden und ich spüre wie die warme Luft aufsteigt und mich grillt.

Kurz vor Dinkelsbühl geht es hoch auf eine Kuppe in das Dorf Segringen. Hier würde ich gerne in einem Gasthof unterkommen, den mein Bruder mir empfohlen hat. In dem Gasthof geht es geschäftig zu, es wird gerade eine Konfirmation gefeiert. Leider ist kein Zimmer mehr frei.

Direkt neben dem Gasthof ist ein Friedhof. Hier mache ich Rast. Interessant finde ich die einheitliche Gestaltung der Grabkreuze. Es erinnert mich an einen Soldatenfriedhof. Auf den Kreuzen stehen die letzten Berufe der Verstorbenen und wie alt sie in Jahren, Monaten und Tagen geworden sind. Es steht z.B. „Altsitzer“ oder „Altsitzerin“ auf den Kreuzen. Oder „Rentner“, „Bürokauffrau“ oder „Hausfrau“. Je nachdem wie alt der Mensch geworden ist, die letzte Station im Leben. Ich überlege, was auf meinem Grabkreuz stehen würde: „Privatier“, „Badmintontrainer“, „Gruppendynamiktrainier“, „Freiberufler coronabedingt ohne Arbeit“ oder „Wandernder Vater, der bloggt“? Haben die Verstorbenen selber entschieden, was auf den Kreuz geschrieben steht oder haben das dann die Hinterbliebenen beschlossen? Was würden meine Kinder in dem letzteren Fall schreiben lassen? Ein Glück, dass ich mit meinen Kindern schon vor meiner Wanderung gesprochen habe, wie ich mir aktuell meine Trauerfeier vorstelle und darin kommt kein Grabkreuz vor.

Von Segringen geht es weiter ins nahegelegene Dinkelsbühl mal wieder auf der Suche nach einer Unterkunft. Auch der zweite Tip meines Bruders schlägt leider fehl. Alles belegt. Dinkelsbühl ist heute voll mit Touristen. Nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus Europa. Ich kann Franzosen, Holländer, Italiener, Polen und auch Spanier ausmachen. In Dinkelsbühl ist noch viel mit Auto erreichbar, so dass ich viele Touristen mit ihren Fahrzeugen sehen kann. Radfahrer gibt es hier viel seltener.

Schließlich komme ich in einem Romantikhotel unter. Es kommt sogar noch besser. Die nette Dame am Empfang trägt mich für das hauseigne Schwimmbad und die Sauna ein für den Zeitraum von 20 bis 21 Uhr. Vor Corona bin ich zum letzten Mal in der Sauna gewesen. Ich freue mich schon jetzt auf Bad und Sauna.

Vorher gehe ich noch ein wenig in die Altstadt von Dinkelsbühl. Mir fällt die Metzgerei Mießmeier auf. Dort stehen 4 Tische zusammen, an denen mit 10-15 Personen und lauter Musik gefeiert wird. Stundenlang und unermüdlich. Brauchen die Menschen so sehr diese Ventile, um mit dem heutigen Druck der Leistungsgesellschaft umgehen zu können? Ist das der wahre Sinn von Ischgl, Mallorca, Ibiza, den Parties auf dem Opernplatz in Frankfurt oder dem Münchner Oktoberfest? Ein-, zweimal im Jahr oder im Monat richtig die Sau rauslassen und dann auf der Arbeit wieder Leistung zeigen? Die Feiernden jedenfalls machen weiter und singen lauthals jedes Lied mit. Mein Vater würde sagen, sie „schreien“, da die Musikalität eher zweitrangig dabei ist.

Später erfahre ich von einer Angestellten des Gasthofes, dass in Dinkelsbühl normalerweise in dieser Woche die Kinderzeche gefeiert wird. Die Kinderzeche in Dinkelsbühl ist ein Kinder- und Heimatfest. Der Sage nach sollen Dinkelsbühler Kinder im Dreißigjährigen Krieg die Stadt vor den Schweden gerettet haben. Seit 2016 befindet sich das Fest auf der Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland. Dieses Jahr musste das Fest abgesagt werden. Die tapfer feiernden Menschen in der Metzgerei sind also das Coronaüberbleibsel dieses Volksfestes. Schade, das große Fest hätte ich gerne mitgefeiert.

Um 20 Uhr gehe ich in die Sauna. Ich bin alleine – mal wieder. Aber so kann ich ohne Textilien schwimmen und saunieren. Ich fühle mich nach Wochen wieder porentief rein. Das letzte Mal habe ich mich so sauber nach der Badewanne in Bad Mergentheim gefühlt. Meine Gymnastik mache ich auch seit langem und merke, dass sich die Beweglichkeit meiner Achillessehne verändert hat. Vielleicht sollte ich mein morgendliches Dehnungsprogramm um etwas für die Waden und Achillessehne erweitern.

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