Im Altmühltal: Dollnstein – Eichstätt

Im Altmühltal: Dollnstein – Eichstätt

Heute morgen regnet es. Deshalb breche ich erst am Vormittag bei bewölktem Himmel später als sonst auf. Auf dem Weg durch Dollnstein begegnet mir ein Damenquartett. Unser Weg hatte sich gestern schon zweimal gekreuzt. Wir grüßen uns kurz und schon ziehen sie leichtfüßig vor mir weg.

Auch am Sonntag ist reger Bootsbetrieb auf der Altmühl. Auch heute ist kein Platz für mich frei. Ich laufe durch die mittelalterliche Stadt durch das Peterstor raus. Rechts nach dem Tor geht es bald wieder auf den E8. Ein kurzer Anstieg und ich wandere auf halber Höhe die Altmühl entlang. Es ist ein schöner Weg. Heute sind auch mehr Menschen auf dem Wanderweg unterwegs als ich es bisher gewöhnt bin. Viele Spaziergänger, die einfach an ihrer sommerlichen Kleidung zu erkennen sind.

Um die Mittagszeit suche ich eine Sitzgelegenheit zum Rast machen. Und – welch eine Überraschung – hole das Damenquartett ein, die gerade ihre Pause auf einer Bank beenden. Sie überlassen mir großzügig die Sitzbank und ich kann bei einer schönen Aussicht meine Brotzeit essen.

Ich folge weiter den Weg bis Obereichstätt und passiere den Ort oberhalb. Dann geht es steil bergauf. Es geht ein Stück durch den Wald und ich komme ordentlich ins Schwitzen. Fast oben angekommen liegt ein Stück Wiese, auf der eine fast 30 Meter lange Sitzbank steht. Die Bank ist aus einem einzigen Baum gefertigt worden! Man hat den Stamm einfach halbiert und als Sitzbank mit Talblick aufgestellt. Absolut coronatauglich!

Auf der langen Bank sitzen …

Von dort aus geht es weiter auf eine breite Hochwiese. Mir fallen Modellflieger auf. Trotz des aufkommenden starken Windes schaffen es die Piloten am Boden ihre kleinen Flugzeuge sicher zu fliegen. Manchmal fliegen sie so nah an mir vorbei, dass ich mir ernsthaft überlege, was ich tun muss, falls mir einer doch zu nahe kommt.

Als ich die Männer erreiche, fangen diese auf einmal an ihre Flugzeuge zu landen und abzutransportieren. Sie machen mich auf eine Regenfront aufmerksam, die rasch näher kommt.

Und tatsächlich schon fängt es an zu tropfen. Ich ziehe mir sicherheitshalber meine Regenjacke über.

Ich komme an einem Steinbruch vorbei. Überall Kalksteinplatten. Es sieht aus wie ein riesiger Scherbenhaufen. Ich höre es Donnern. Nicht nur einmal, sondern es ist wie ein richtiges Donnerrauschen. Ich bin irritiert und gucke nach Blitzen. Doch ich kann keine sehen. Der Wind wird immer stärker. Ich bin irritiert, ist das vielleicht doch kein Donnern, sondern vielleicht ein Windgeräusch, das bei diesem Steinbruch entsteht.

Jetzt fängt es an immer stärker zu regnen. Nichts zum unterstellen, ich bin inzwischen auf einem freien Feld. Der Wind treibt den Regen fast horizontal über den Boden. Ich werde richtig durch und durch nass. Meine Schuhe laufen voll Wasser. Zwei, drei Autos fahren an mir vorbei. Die Modellflugzeugpiloten. Keiner kommt auf die Idee anzuhalten und mich mit zu nehmen. Ich fange an zu laufen, um in ein nahegelegenes Wäldchen zu kommen und mich unterzustellen. Dabei meide ich die hohen Bäume, da das Donnern kontinuierlich weitergegangen ist. Blitze kann ich immer noch nicht sehen. Ich muß an den ukrainischen Fußballspieler denken, der letzte Woche beim Einspielen vom Blitz getroffen wurde. Auf dem Video war auch kein Gewitter zu erkennen.

Schließlich hört es auf. Kurz darauf scheint die Sonne. Ich folge dem E8 und steige in das Tal hinunter. Schnell komme ich an menschliche Behausungen vorbei und überquere die Altmühl und laufe auf einem Fahrradweg wieder dem Fluß entlang. Dabei kann ich die imposante Willibaldsburg Eichstätt sehen. Willibald war einer der englischen Geschwister, deren Geschichte mir schon im Kloster Heidenheim begegnet war. Eichstätt war die erste Klostergründung von Willibald im 8. Jahrhundert gewesen. Die Burg kommt mir riesig vor.

Auf der ersten Bank setze ich mich und ziehe mir Schuhe und Socken aus. Ich leere das Wasser aus den Schuhen und wringe die Socken aus. Die Sonne ist wieder da und schon sind die Radler unterwegs, die mich neugierig anschauen beim Vorüberfahren. Die Socken werden leider nicht so schnell trocken, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich beschließe, Schuhe und Socken wieder anzuziehen und möglichst schnell zu meiner Unterkunft zu kommen.

Ich komme unter einer Fußgängerbrücke durch. Und wen sehe ich auf der Fußgängerbrücke? Das Damenquartett, die ich weit vor mir gewähnt hatte. Wie hatte ich es geschafft, sie unbemerkt zu überholen? Die Frauen erkennen mich auch wieder und winken mir zu. Meine Tante in Bad Kreuznach würde jetzt sagen, dass ist kein Zufall mehr, das Universum schickt dir eine Nachricht. Wir unterhalten uns kurz und die Damen verraten mir, wo sie beabsichtigen heute Abend zu speisen: In der Brauereigastwirtschaft zur Trompete. Dann trennen sich wieder unsere Wege.

Ich erreiche meinen Gasthof und habe Glück, dass der Wirt auch gerade da ist, da sonst geschlossen wäre. Ein einfaches, aber günstiges Zimmer ist noch da. Auf dem Flur ist eine Dusche und ein WC. Für mich ist es gut genug. Ich beziehe das Zimmer, hänge meine Sachen zum Trocknen auf, mache mich frisch und dann ruhe ich mich aus. Die Naturdusche während des Unwetters war nicht so gut für meinen rechten Fuß, der immer stärker schmerzt.

Nach einer guten Stunde ziehe ich meinen letzten trocknen Sachen an und gehe von der Westenstraße in Richtung Ostenstraße. In der letzten Stunde hat es noch einmal gut geregnet und die Stadt dampft. Viele alte Gebäude, aber mit hübschen originellen Geschäften. Es gefällt mir, dass die Stadt voller Leben ist.

In der Ostenstraße ist die Brauereigaststätte zur Posaune gelegen. Just in dem Moment als ich vor dem Gasthaus ankomme, sehe ich das Damenquartett über die Straße gehen. Die Damen und ich haben den gleichen Biorhythmus, zumindestens was die Zeiten für die Nahrungsaufnahme betrifft. Ich muß lachen.

Im Gasthof bekomme ich ohne Reservierung keinen Tisch. Doch die vier Frauen nehmen mich großzügig auf und ich darf mit an ihren Tisch sitzen. Es sind drei Kusinen und eine Freundin, die schon öfters gemeinsam – auch längere Touren – gewandert sind, u.a. einen Teil des Jakobsweges in der Schweiz. Wir gehören zur selben Generation und unterhalten uns gut. Ich bin glücklich, mal wieder in Gesellschaft von netten und interessierten Menschen meinen Abend verbringen zu können. Heute meint es das Universum – trotz des Unwetters – gut mit mir.

Mit dem Damenquartett beim Abendessen

Ich mache morgen einen Pausentag in Eichstätt und werde mir die Stadt genauer anschauen und meine Anziehsachen wieder in Ordnung bringen.

3 thoughts on “Im Altmühltal: Dollnstein – Eichstätt

  1. Haben heute des öfteren an dich gedacht, vor allem, wenn bergauf und bei großer Hitze der Schweiß geflossen ist, und weil wir wussten, dass du im Freibad faulenzen und den Tag genießen würdest😁. Weiterhin gute Wanderung wünscht das Damenquartett

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