Im Altmühltal: Eichstätt – Gungolding

Im Altmühltal: Eichstätt – Gungolding

Es ist schon beim Start in den Tag warm. Aus Eichstätt geht es erst einmal mit einem steilen Anstieg auf die Höhe. Einmal oben bin ich schon vollkommen nass geschwitzt. Ich komme an abgeernteten Getreidefeldern vorbei, in der Nähe von Eichstätt gibt es kaum schattenspendende Wälder. Ich komme mir ein bisschen wie ein Tramp im Mittleren Westen der USA vor. Die müssen sich ähnlich gefühlt haben: heiß und der Weg und Horizont haben kein Ende. Der Höhenwanderweg geht hier in einer weiten Schlaufe von der Altmühl weg, so dass ich auch keine interessanten Talblicke habe.

Gegen Mittag wird es bewölkter, aber es ist auch schwül geworden. Inzwischen bin ich auf Waldwegen unterwegs. Buchenwald wechselt sich mit Fichtenwald immer wieder ab. Die Wälder sind hier aufgeräumt und werden wahrscheinlich wirtschaftlich gemanagt.

Am frühen Nachmittag erkenne ich, dass die Wolkenwand immer dichter und dunkler wird. Ich fange an, mich zu beeilen. Ich möchte nicht schon wieder in ein Unwetter kommen. Gestern sind auch nicht alle Sachen richtig trocken geworden. Die Schuhe waren heute morgen innen immer noch feucht.

Auf dem Weg ist es ereignisarm und ich bin mal wieder in einem Funkloch. Ich muss aufpassen, dass ich keine Wegmarkierungen verpasse. Wenn ich einfach so dahin wandere, falle ich manchmal in eine Art Trancezustand. Ihr kennt das vielleicht, wenn ihr mit eurem Auto tagein, tagaus die gleiche Strecke fahren müsst. Ihr seid so automatisiert, dass ihr gar nicht mehr bewusst wahrnehmt, wie ihr eigentlich gefahren seid. Der Unterschied zu mir ist, dass ich die Strecke, die vor mir liegt, noch nie gegangen bin. Ein weiterer Unterschied ist, dass ich manchmal ins Tagträumen komme und dann nicht mehr richtig weiß, habe ich mir das jetzt eingebildet oder ist es wirklich passiert.

Sowas passiert mir heute wieder. Ich sehe, wie mir eine weiße Gestalt entgegenkommt. Beim Näherkommen stelle ich fest, dass es sich um eine junge Frau handelt, in einem weißen Kleid, mit hellem sommerlichen Hut mit breiter Krempe und einem leichten Schal, den sie um den Hals gewickelt hat. Beim Vorbeigehen schaut sie mich kurz an und lächelt. Ich bin irritiert: Einbildung oder Wirklichkeit? Ich drehe mich um, aber sie ist schon nicht mehr zu sehen.

Jetzt muss ich aber schleunigst weiter. Erste Tropfen Regen spüre ich schon. Die letzten Kilometer machen mir keinen Spaß, da ich versuche vor der Gewitterfront davon zu laufen.

Endlich erreiche ich meinen heutigen Zielort: Gungolding. Ich gehe wieder ruhiger, jetzt sind es vielleicht noch 500 Meter bis zum Gasthof. Ich komme an die Brücke über die Altmühl. Vor mir sehe ich einen alten Mann im Rollstuhl, der mühsam versucht die Steigung hochzukommen. Mit den Worten „darf ich schieben?“ nehme ich die Griffe in die Hände und schiebe ihn auf die Brücke. Er will nur bis zur Brückenmitte. Er bedankt sich bei mir und erklärt, dass von hier aus der Blick auf die Altmühl am schönsten sei und er das jeden Abend so machen würde. Befriedigt gehe ich weiter. Jetzt fühle ich mich gut.

Blick auf die Altmühl in Gungolding

Ich erreiche den Gasthof. Ich werde in oberbayrischer Mundart begrüßt. Ich habe heute die Sprachgrenze vom Fränkischen ins Oberbayrische überquert. Im Hintergrund höre ich das Gewitter. Heute erreicht es mich nicht und zieht einfach nur vorüber.

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