Im Donautal: Donaustauf – Hammermühle – Otterbachtal – Hammermühle

Im Donautal: Donaustauf – Hammermühle – Otterbachtal – Hammermühle

Der Sturm hat heute aufgehört und bei schönstem Wetter verlasse ich Donaustauf durch den Fürstengarten. Donaustauf wurde Anfang des 19. Jahrhunderts dem Fürsten von Thurn und Taxis als Kompensation für die Postrechte in Bayern übertragen. Dort haben sie dann ein schönes Schloß gebaut.

Vom Fürstengarten mit chinesischem Turm aus geht es durch den Wald auf die Anhöhe der Walhalla. Ein Tempel der deutschen Nationalhelden mit einem fantastischen Blick auf die Donau und Regensburg. Der Blick ist sensationell.

Walhalla

Das Innere der Walhalla ist allerdings eine Ansammlung von Büsten deutscher Militärs, Fürsten und Kulturschaffender. Schon seltsam, dass die Walhalla von den Frauen- oder Friedensbewegten in diesem Land bisher verschont wurde. Es sind nur FÜNF Frauen und kaum einer der sich für Frieden eingesetzt hatte vertreten: Katharina die Große, Maria Theresia, Sophie Scholl, Edith Stein und eine Nonne namens Theresia Gerhard. Unglaublich! Katharina war die längste Zeit ihres Lebens Russin, Maria Theresia Österreicherin, dafür haben sie den Hans Scholl weggelassen. Ich würde mich gerne mit den Leuten unterhalten, die auswählen, wer in diese Halle reinkommt und nach welchen Kriterien ausgewählt wird. Meine persönliche Heldenhalle wäre jedenfalls anders bestückt. Auch der Name Walhalla hat für mich eine Bedeutung, die eher in Richtung militärischer Weltuntergang gehen würde.

Aber der Aussichtspunkt für die Walhalla ist hervorragend ausgewählt worden. Ich setze mich auf eine der Stufen und staune. Man kann die funkelnde Donau sehen, wie sie von Regensburg kommt und nach Osten fließt. Es sind Boote auf dem Fluß und man kann weit ins Land schauen.

Inzwischen sind viele Tagestouristen da, die wie ich die Aussicht erleben mit und ohne Handy. Neben mir nimmt ein älterer Herr mit seinem Hund Platz. Den Hund finde ich interessant: ein Bull-Terrier! Ich spreche den Herrn an und er erzählt mir, dass es sich um einen Mini-Bull-Terrier handelt, so fällt er nicht unter die Kampfhundverordnung der verschiedenen Bundesländer. Der Hund heißt Gaudi und ist ein ganz ruhiger. Sein Ernährer ist dafür umso gesprächiger. So erfahre ich von seinem „Lebenseinbruch“ als seine ehemalige Ehefrau ihn mit einem Golfclubbetreiber betrogen hat und er daraufhin seinen Lebensmittelpunkt schließlich in Cuxhaven gesucht hat. Den Ausdruck „Lebenseinbruch“ finde ich spannend. Ist es so gemeint, dass er – wie auf einem zugefrorenen See – im Eis des Lebens eingebrochen ist oder dass jemand – z.B. ein Golfclubbetreiber – in seinem Leben eingebrochen ist wie ein Einbrecher und etwas sehr wertvolles gestohlen hat? Egal wie es zu verstehen ist, er ist jetzt ein glücklicher Mann mit einer sympathischen Partnerin und einem selbstbewussten Hund. „Not willing to please“ berichtet mir das Paar, das finden sie an ihrem Hund so gut. Für ein Leckerli werden hier keine Kunststückchen gemacht und so machen die beiden das auch in ihrem Leben.

Wir gehen gemeinsam zum Autoparkplatz und er erzählt uns noch ein paar lustige Geschichten. Der Parkplatz ist sehr voll, viele Leute besuchen heute die Walhalla. Der E8 führt über den Parkplatz. Ich verabschiede mich von den dreien, die am nächsten Tag wieder nach Cuxhaven fahren wollen.

Heute ist ideales Wanderwetter und ich bin wieder alleine und das schon 50 Meter hinter dem Parkplatz. Der Unterschied könnte nicht größer sein. Es geht am Wald entlang, der hier sehr abwechslungsreich ist, immer wieder habe ich einen guten Blick auf die Donau und es macht mir Spaß zu wandern.

Zur Mittagszeit erreiche ich den Gasthof Hammermühle im Otterbachtal. Im Biergarten gibt es gutes typisch bayrisches Essen. Hinter der Hammermühle geht der Weg dann weiter.

Ich folge den grünen Dreiecken, die stellvertretend für die E8 Zeichen stehen sollen. Es geht den Bach entlang. Netzzugang ist die ganze Zeit Fehlanzeige. So verlasse ich mich auf die Wegmarkierungen grünes Dreieck vollständig. Es ist ein idyllisches Bachtal. Wald wechselt sich mit Wiesen ab, die ich für Teil des fürstlichen Tiergartens halte. Heute sind viele Spaziergänger aus der Oberpfalz unterwegs: ganze Familien mit kleinen Kindern, ein Paar trägt sogar ein kleines Baby vor dem Bauch, ein Betriebsausflug, mehrere Paare und natürlich auch Radfahrer.

Es bewölkt sich und ich komme gut voran. Schließlich erreiche ich eine Gaststätte, die lustigerweise „Zum Koreawirt“ heißt, zu der auch eine Straße führt, die dort endet. Allmählich zweifle ich dran, dass ich noch auf dem richtigen Weg bin. Eigentlich müsste ich wieder die Donau sehen, aber ich sehe nur den Otterbach und Wald. Mir begegnet ein Mann mit zwei großen Hunden und ich frage ihn nach dem Weg. Bald muss ich erkennen, dass ich im falschen Tal gewandert bin. Es gibt auch keinen anderen Weg als in Richtung Donau umzukehren. An der Straße versuche ich noch eine halbe Stunde mein Glück. Aber alle Autos sind schon voll und keiner nimmt mich mit. Also wieder dem Bachlauf entlang abwärts zur Hammermühle, wo ich wahrscheinlich falsch abgebogen bin. So sehe ich heute das Otterbachtal auch von der anderen Seite, diesmal mit Wiedererkennungswert. Ist auch ganz schön.

Ich kehre zum zweiten Mal in der Hammermühle ein und bekomme dort auch ein Zimmer. Morgen versuche ich es dann nochmal, nach Wörth an der Donau zu kommen.

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